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Mit dem Pedelec auf dem Jakobsweg (3) – Risiken, Sicherheit und Heimreise

Bevor es im nächsten Teil um die spirituellen Erfahrungen geht, werden in diesem Teil des Reiseberichts die Themen Risiken und Sicherheit besprochen. Eine Übersicht aller bisher veröffentlichten Artikel finden Sie hier.

Risiken

Als Alleinreisender war ich mir bewusst, dass ich eben auch bei Krankheit, Unfällen, Pannen und Diebstählen auf mich alleine gestellt bin. Dementsprechend konzentriert und vorsichtig habe ich mich auch verhalten.

Krankheitsrisiko

Ich bin wohl drei von fünf Wochen im Regen gefahren, bemerkte jedoch nie nur das geringste Unwohlsein. Im Gegenteil, mit dem radeln wurde ich von Tag zu Tag fitter.

Sicherheit

Radpilger werden ganz unterschiedlich wahrgenommen und berücksichtigt. In Genf ist man als Radfahrer ein Dreck wert. Dasselbe gilt teilweise auch auf den Nationalstraßen in Frankreich und Spanien.

Die Fünf- und Sechsachser brausen gefährlich nahe an einem vorbei. In Spanien stellen vor allem die rasenden ALSA Linienbusse eine grosse Gefahr für Radfahrer dar. Bei ALSA zählt nur der Bleifuss über hunderte von Kilometern.

In Spanien führt der „camino frances“ ab Pamplona zum grossen Teil über Nationalstrassen. Diese sind vorbildlich mit grossen blauen Tafeln als „Camino Santiago“ und mit Hinweis auf gegenseitige Rücksichtsnahme und Abstandhaltung beschildert.

Viele Automobilisten motivieren Pilger mit einem herzlichen Zuruf: „buen camino“. Generell gilt: Selber aufpassen und keine Risiken eingehen!

Pannen

Sowohl in Frankreich, wie auch in Spanien sind Radsportgeschäfte und Velomechaniker sehr dünn gesät.

Manchmal fuhr ich über Tage, ohne ein Geschäft zu sichten. Man tut also gut daran, mit einem gut ausgerüsteten und gewarteten Rad zu reisen und reichlich Pannenersatz mitzuführen.

Diebstähle

Es ist kaum zu glauben: auf dem Jakobsweg habe ich über 2650 Kilometer fünf Wochen lang mein Fahrrad wohl weit über 200 Male abgeschlossen, mit Packtaschen abgestellt und es wurde mir nichts gestohlen. Auf der Rückreise dann der Schock.

Rückreise: Gepäckklau und miserable ALSA Busgesellschaft

Im ALSA Nachtbus von A Coruna nach San Sebastian wurden mir 3 Packtaschen aus dem Frachtabteil gestohlen. Noch schlimmer aber war das miserable, entwürdigende Verhalten des ALSA Chauffeurs, sowie der ALSA Büros in San Sebastian und Madrid.

Der ALSA Chauffeur sagte stinkfrech: „fehlendes Gepäck ist nicht mein Problem, suche selber, aber hopp hopp“! Ich kroch in den Frachtraum und schon verschloss er die Klappen des Frachtraumes. Ich schrie Zetermordio, er öffnete eine Klappe und schrie „raus mit Dir, ich muss weiter“!

So stand ich dann wie ein Idiot mit Velo, ohne Gepäck am Strassenrand und zerbrach mir den Kopf, wie ich wohl nach Hause komme, da in San Sebastian soeben auch ein Streik ausgerufen wurde.

Im ALSA Büro sagte man mir, dass hier nur Fahrkarten verkauft werden. Wegen allem anderen solle ich selber schauen. Vom Kundendienstbüro in Madrid erfolgte erwartungsgemäß keine Reaktion.

Ein freundicher Offizier auf dem Bahnhofpolizeiposten in San Sebastian nahm meine Diebstahlklage in Spanisch auf, erstellte ein Protokoll, liess mich aber wissen, dass erfahrungsgemäß das Diebesgut verschwunden bleibe.

Es wurde mir später zum Glück alles von der Mobiliar Hausratversicherung ersetzt.

Heimreise

Da mir allerhand fehlte, blieb mir nichts anderes übrig, als den Badeurlaub in Biarritz zu vergessen und definitiv nach Hause zu reisen.

Ich nahm den Zug nach Hendaye und blieb eine Nacht im Hotel am Meer. Abends nahm ich den Nachtzug mit Schlaf- und Veloabteil nach Paris. Von dort nahm ich den TGV wiederum mit Veloabteil nach Genf, inklusive Stromausfall in Bonneville.

Also mit Regionalzügen nach Annemasse, eine ungeplante Velofahrt in Genf zum Hauptbahnhof und dann im SBB Schnellzug mit Veloabteil bis St.Gallen.

Es ist dringend darauf hinzuweisen, dass nur für Fahrradtransport bestimmte öffentliche Verkehrsmittel Passagiere mit Fahrrädern mitnehmen und das auch nur mit Vorbuchung und Bezahlung.

Weitere Reisepläne

Das Radpilgern auf den Jakobswegen hat mich – trotz technischen Problemen und Diebstahl – fasziniert. Es war meine bisher schönste und längste Radreise.

Ich plane bereits schon meine nächste Reise für Frühjahr 2011 auf anderen Routen. Einerseits wäre es schön, grössere Etappen mit einem schnellen Rad, ohne Gepäck, mit Gepäcktransportdienst zu fahren.

Anderseits habe ich die völlige Freiheit, jeden Tag ohne andere Meinungen und Kompromisse zu fahren, sehr genossen.

Sollte ich wiederum mit Fahrrad und Gepäck verreisen, so werde ich die Zuladung allerdings massiv abspecken.

Wenn die Fußpilger mit einem Gepäckgewicht von 10% vom Körpergewicht auskommen, dann müsste ich als Radpilger (ohne Motor) ebenfalls mit einem Gepäckgewicht von 10% vom Körper- und Fahrradgewicht auskommen, d.h. etwa 10-12 kg (ohne Schlafsack und Campingmaterial).