Neid und Missgunst tun Innovationen selten gut

Ein neuer, leistungsstarker Akku und die deutsche Automobilbranche reagiert verschnupft

Es ist wieder mal typisch deutsch und ein Aufreger. Letzte Woche wurde in einem Artikel in der Zeit Online berichtet, dass eine Berliner Start-up Firma eine Rekordstrecke mit einem neu entwickelten Akku gefahren sei.

Doch die deutsche Automobilbranche hält nichts davon. Um es auf den Punkt zu bringen: die Jungs der DBM Energy mit ihrem technischen Geschäftsführer Mirko Hannemann sind mit einer Akkuladung 600 Kilometer von München nach Berlin gefahren! Mit einem vollwertigen Auto!

Das war bisher noch nicht da und dürfte einzigartig sein. Umso schlimmer, dass die Lobby der veralteten Technik als Verhinderer auftritt nach dem Motto: wenn wir das nicht erschaffen, dann kann es auch nichts taugen.

Dementsprechend scharf fallen auch die Kommentare des Artikels aus. Und zu Recht. Denn während Matthias Wissman, Präsident des Verbandes der Autoindustrie, sich weigerte, das Ereignis überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, zeigt man sich beispielsweise in Korea interessiert.

Investitionen wandern durch die Borniertheit der ansässigen Industrie ins Ausland

Es wäre nicht das erste Mal, dass deutsche Innovationen ihre Geldgeber und damit auch die Vermarktung im Ausland finden und realisieren müssen.

So ist auch öfter mal aus Schweizer Bankenkreisen zu hören, dass man sich sehr freue, Erfindungen der Deutschen zu finanzieren, wenn diese in Deutschland selbst keine Geldgeber finden.

Schade nur, dass damit auch immer wieder Chancen wegfallen, neue Märkte zu besetzen und somit zukunftssichere Arbeitsplätze zu generieren.

Es gibt auch zum Glück auch positive Beispiele

Aber es gibt auch positive Beispiele. So kommentierte Gregor Falk, Logistikchef beim Partygeschirrhersteller Papstar die neue Batterie mit den Worten: „das Ding ist eine Sensation“.

Er will zukünftig seine Schubmaststapler komplett auf die neue Batterie umrüsten. Leichteres Gewicht, höhere Speicherkapazität und kürzere Ladezeiten sind Argumente, die trotz des vierfach höheren Anschaffungspreises für die neue Batterie sprechen.

„Die Mehrkosten holen wir über den 70% geringeren Energieeinsatz wieder rein“. So der Logistikchef.

Wie geht es nun weiter?

Natürlich sind die Erfinder sauer, dass ihr neuer Akku auf wenig Interesse in der deutschen Automobilbranche stößt.

Unterkriegen lassen sie sich jedoch dadurch nicht. Im Gegenteil. Es wird schon mit dem Berliner Photovoltaik Hersteller Solon daran getüftelt, einen etwa Schuhkarton großen Pufferspeicher für Solarenergie zu entwickeln. Dieser soll schon in zwei bis drei Jahren serienreife haben.

Sorgen muss man sich um die Firma ohnehin nicht machen. Denn die hat das Herz offenbar am rechten Fleck. Ein Angebot vom koreanischen Samsung Konzern in Höhe von 600 Millionen Dollar für die Batterietechnik lehnte sie ab.

Bleibt nur zu hoffen, dass unsere heimische Autoindustrie ihre Eitelkeiten überwindet und sich im internationalen Vergleich nicht wieder so blamiert wie im Fall der schadstoffarmen Fahrzeuge.

(Quelle: Zeit Online)

Update 05.04.2011:

Es gab ja zwischenzeitlich viel Spekulationen um die Echtheit des Ergebnisses und zu allem Überfluss ist das Rekordauto dann auch noch abgebrannt.

Nun vermeldet der greenmotorsblog neues, denn die DEKRA hat sich zusammen mit dem Bundesamt für Materialforschung der Super Batterie angenommen und in einem neuen Test aufgebaut. Das Ergebnis: Die Reichweite wurde bestätigt.

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3 Kommentare zu Neid und Missgunst tun Innovationen selten gut

  1. Die Intelligenz des BDA Presidenten Wissmann macht sich nicht überwiegend störend bemerkbar – das weiß ich seit dessen Zeit als Verkehrsminister. Schade, dass er immer noch Einfluß auf die Automobilindustrie hat – man sieht es an den Diesel PKW´s.

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