Kostenvergleich zwischen Pedelec und Auto

In letzter Zeit finden sich in den Medien vermehrt Versuche, die Kosten für ein Pedelec mit denen eines Autos zu vergleichen. Die Ergebnisse sind, … sagen wir dürftig.

Denn das Problem ist, so etwas lässt sich nicht seriös vergleichen. Man verfügt nie über Fakten, sondern muss immer von irgendwelchen Annahmen ausgehen, welche in den seltensten Fällen passen.

Jüngstes Beispiel dafür ist dieser Spiegel Online Artikel.

Und was da nicht alles verglichen und angenommen wird. Vom gesundheitlichen Nutzen über zu erwartende Kosten nach einem Unfall bis hin zu einem fiktiven Stundenlohn für die Fahrzeit ist alles dabei.

Was sich zunächst hoch wissenschaftlich anhört (und sicherlich auch ist), entpuppt sich auf den zweiten Blick als ein pauschales „über einen Kamm scheren“, mit dem der Einzelne eher wenig anfangen kann.

Nutzergruppen vergleichen

Wollte man die Kosten eines Pedelecs und Autos seriös vergleichen, müsste man eine entsprechende Anzahl an Vergleichsgruppen erschaffen, so dass sich jeder in einer oder mehreren dieser Gruppen wieder findet.

Also beispielsweise

  • Gruppe 1 verfügt sowohl über ein Auto als auch ein Pedelec.
  • Gruppe zwei überlegt, zusätzlich zum Auto ein Pedelec anzuschaffen.
  • Gruppe drei möchte durch den Kauf eines Pedelecs ganz auf das Auto verzichten.
  • Gruppe 4 will ihr Auto behalten und nur den Zweitwagen durch ein Pedelec ersetzen.
  • Und so weiter…

Was zählt, ist der Geldbeutel des Einzelnen

Wahrscheinlich werden es unsere Ökonomen und Statistiker niemals verstehen aber die Mehrzahl der Verbraucher interessiert sich nicht für das große Ganze, sondern in erster Linie für ihre eigene Situation.

Jemand, der beispielsweise Freude daran hat, herauszufinden, wie sich die Kosten eines Fahrrad Unfalls auf das gesamte Gesundheitswesen auswirken, der betreibt dies entweder als Hobby oder ergreift einen entsprechenden Beruf.

Die überwiegende Mehrheit geht aber nun mal anderen Berufen nach und bewertet Kosten danach, was aktuell und real im Geldbeutel verbleibt – oder eben nicht.

Und da liegen die Fakten klar auf der Hand. Wenn jemand zur ersten Gruppe gehört und – aus welchen Gründen auch immer – sowohl ein Pedelec als auch ein Auto im Haushalt vorhanden ist, lassen sich die Kosten ganz einfach vergleichen.

Eine typische Fahrt zum nächsten Postamt, welches vielleicht 2,5 Kilometer entfernt ist, verursacht akute Kosten. Bei einem Auto, welches acht Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht und einem Benzinpreis von 1,59 Euro, sind das 65 Cent.

Die gleiche Strecke kostet mit dem Pedelec 2,5 Cent. Das ist eine real zu erfassende Ersparnis von 62,5 Cent. Völlig unwissenschaftlich kann man damit an der nächsten Eisdiele eine Kugel Eis mehr kaufen ;-).

Vergleiche, wie die im genannten Spiegel Online Artikel sind sehr interessant und sorgen für das eine oder andere Aha-Erlebnis, mehr aber auch nicht.

Denn schon eventuell anfallende Wartungskosten für ein Auto lassen sich nicht mehr auf den Einzelnen bezogen kalkulieren. Wie soll man zum Beispiel die Kosten für den Service eines neuen Audi A6 mit denen eines 10 Jahre alten VW Golfs vergleichen und das dann ins Verhältnis zu einem Pedelec setzen?

Es geht, aber der Einzelne wird sich darin – wenn überhaupt – nur zufällig wiederfinden.

Oder nehmen wir das Vorhaben, in ländlichen Regionen mit ihren traditionell schlechten Bus- und Bahnverbindungen und weiten Wegen zugunsten eines Pedelecs auf das Auto verzichten zu wollen. Ein sehr… sagen wir… „mutiges“ Vorhaben, über dessen Nachteile auch eine Kugel Eis nicht hinweg trösten dürfte.

Fazit – Vergleiche nur im Einzelfall

Wenn man schon vergleichen will, dann sollte man das im Einzelfall und situationsbezogen tun. Alles andere ist zugegeben sehr interessant aber zugleich eben auch wenig aussagekräftig.

Und überhaupt: es gibt neben der möglichen Kostenersparnis auch noch den einen oder anderen Grund mehr, Pedelec zu fahren.

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