Impotenz durch Fahrrad fahren?

Im Artikel der richtige Sattel fürs Elektrobike haben wir das Thema Impotenz durch Fahrrad fahren ja bereits angekündigt. Stimmt das? Kann Fahrrad fahren tatsächlich impotent machen? Und wenn ja, was kann man dagegen unternehmen?

Die Behauptung Fahrradfahren mache impotent, wird immer wieder gerne aufgestellt. Und um es gleich vorneweg zu sagen: es gibt weder einen Beweis, noch eine Widerlegung für diese Behauptung.

Unstrittig ist, dass nach längerem Sitzen die Durchblutung eingeschränkt wird. Das kann vorübergehend zu Taubheitsgefühlen führen, die aber schon nach wenigen Minuten wieder nachlassen.

Durch den Druck auf die Damm Region werden vor allem Nerven und Gefäße der Genital-Region gequetscht. Von bleibenden Schäden oder gar Impotenz ist aber de facto nichts bekannt.

Trotzdem werden bestimmte Ärzte nicht müde, dieses Thema wieder und wieder hervor zu kramen und aufzukochen. Und auch die Medien springen gerne auf den Zug auf und berichten über die fürchterlichen Folgen des Radfahrers.

Dabei ist bis heute kein einziger Fall bekannt, in dem Impotenz eindeutig auf das Radfahren zurückzuführen wäre. Trotzdem ist es richtig, auf bestimmte Gefahren hinzuweisen.

Denn neben der nicht nachweisbaren Behauptung, Fahrrad fahren mache impotent, existieren tatsächlich reale Gefahren, die durch allzu langes Sitzen auf einem Fahrradsattel hervorgerufen werden können.

Dazu gehören beispielsweise Hautreizungen, die sich im Extremfall zu einer ausgewachsenen Entzündung entwickeln können. Besonders wer mit E-Bike oder Pedelec unterwegs ist, kann ein Lied davon singen.

Grund dafür ist schlicht und einfach die Tatsache, dass der Wiegetritt entfällt. Während man auf einem normalen Fahrrad schon aus Gründen der Entlastung ab und zu im Stehen tritt, wird dies auf einem E-Bike oder Pedelec dank des Motors wenig bis gar nicht benötigt.

Man sollte sich deshalb ganz bewusst angewöhnen, auch auf dem Elektrobike ab und an aufzustehen, um den empfindlichen Genitalbereich zu entlasten.

Die richtige Einstellung des Sattels

Noch viel wichtiger ist allerdings der Sattel und dessen richtige Einstellung. Das Modell selbst ist dabei gar nicht so entscheidend. Zwar versuchen die Hersteller durch Formen, die der menschlichen Anatomie angepasst sind, die Beschwerden zu lindern; die Ergebnisse sind allerdings nicht einheitlich und werden von Fahrer zu Fahrer unterschiedlich empfunden.

So finden manche in einem Gel-Sattel die Erfüllung, andere wiederum schwören auf Modelle mit Aussparungen und nicht wenige erzielen das beste Ergebnis mit einem harten, ungepolsterten Sattel.

Es lässt sich im Vorfeld leider auch nicht sagen wer mit welcher Variante den größten Erfolg erzielen wird. Hier hilft eben nur ausprobieren.

Sehr oft ist es aber nicht der Sattels selbst, sondern lediglich die falsche Einstellung. Generell gilt: die Sattel Einstellung muss zur Sitzposition passen.

Wer eher in sportlich gestreckter Sitzposition unterwegs ist – in der Hauptsache also nach vorn gebeugt – sollte den Sattel nicht waagerecht, sondern leicht nach vorne geneigt einstellen. Im Touren Modus, wo man ja eher aufrecht sitzt, darf der Sattel durchaus waagerecht montiert sein.

Was in jedem Fall zu vermeiden ist, ist eine nach oben geneigte Sattelnase. Es existiert keine Sitzposition, in der ein derart eingestellter Sattel angenehm wäre.

Mit der Wasserwaage ausrichten?

Sehr oft hört oder liest man, dass man den Sattel mit einer Wasserwaage in Position bringen soll. Als erste grobe Justierung ist das auch völlig in Ordnung, kann aber keinesfalls als endgültige Einstellung gelten. Spätestens bei einem voll gefederten Fahrrad, welches über etwas mehr Federweg verfügt, muss die Methode mit der Wasserwaage zwangsläufig versagen.

Grund dafür ist der Negativ Federweg. Setzt man sich auf ein Fully, wird durch das Fahrergewicht ein Teil des Federwegs ausgenutzt. Dadurch sackt das Rad bei Bodenwellen nicht weg, sondern hat die Möglichkeit, sowohl Erhebungen, als auch Vertiefungen der Strecke auszugleichen. Damit geht am Fahrrad aber auch eine leichte Verlagerung nach hinten einher.

Hat man den Sattel nun in unbelasteten Zustand mit der Wasserwaage ausgerichtet, zeigt die Sattelnase in der späteren Sitzposition – also mit Fahrergewicht – nach oben. Besonders bei Fullys sollte man also darauf achten, dass die Sattelnase von Anfang an leicht nach unten zeigt.

Beachtet man diese Hinweise und experimentiert ein wenig mit den verschiedenen Einstellmöglichkeiten herum, wird man weitestgehend beschwerdefrei auf seinem Elektrobike unterwegs sein.

Ein weiterer Punkt, um die Angst vor einer möglichen Impotenz zu nehmen, ist das genaue studieren der Berichte darüber. Während die eigentliche These – also Radfahren macht impotent – meist relativ deutlich hervorgehoben wird, finden sich Erklärungen und Voraussetzungen dazu eher im Kleingedruckten.

Dort ist dann meist zu lesen, dass die mögliche Gefahr nur bei intensivem Training besteht. Das beginnt in aller Regel bei mehr als 500 km pro Woche. Und auch mit einem Pedelec oder E-Bike sind 24 000 km im Jahr eine Leistung, die nur von den wenigsten erbracht wird.

Fazit

Wer ein bisschen mit verschiedenen Sattel-Einstellungen experimentiert und nicht gerade zum billigsten Modell greift, muss sich um das Thema Impotenz durch Fahrrad fahren wohl keine Gedanken machen.

Was die Hautreizungen betrifft, ist das ganz oft eine Frage der Gewöhnung und verschwindet bei den meisten nach 2 bis 3 Wochen regelmäßigen Fahrens von selbst.

In diesem Sinne, weiterhin eine schmerzfreie und gute Fahrt.

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2 Kommentare zu Impotenz durch Fahrrad fahren?

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