GoCycle Testbericht

Das GoCycle im Test.

Ein individuelles Pedelec für die Stadt, auf Reisen und den Weg von und zur Bahn.

Ein Test ist immer auch eine subjektive Angelegenheit. Wir wollen deshalb nicht die üblichen Bewertungslisten erstellen, sondern als Ergänzung dazu auch die nicht objektiven Eigenschaften nennen.

So auch beim Gocycle. Getestet wurde die deutsche, Pedelec konforme Version, welche nur auf Knopfdruck unterstützt.

Es existiert noch eine US Version, die auch ohne Pedalunterstützung antreibt. Diese fällt allerdings in die Kategorie E-Bike.

Testfahrt und Alltagstauglichkeit

Los geht`s auf ebener Strecke in Richtung Bahnhof. Dabei fällt die erste Besonderheit des Gocycle auf. Wer ein richtiges Pedelec erwartet, wird enttäuscht.

Denn das Gocycle ist eigentlich ein normales 3-Gang Fahrrad, welches bei gedrücktem Knopf an der Bedieneinheit am Lenker den Elektromotor zuschaltet.

Man fährt also quasi ständig ohne Motorunterstützung und schaltet diese nur bei Bedarf zu. Auf Dauer und vor allem auf längeren Strecken stellt sich dieses ständige Knopfdrücken aber als lästig heraus.

Der Einkauf im Supermarkt um die Ecke gestaltet sich mangels permanentem Gepäcksystem ebenfalls schwierig. Dafür ist das Gocycle allerdings auch nicht gemacht.

Mit einer zusätzlichen Lenkertasche sowie einem montierbaren Gepäckträgersystem über dem Hinterrad kann man aber Aktentasche oder Notebook sowie kleinere Einkäufe problemlos transportieren.

Man sollte es aber nicht übertreiben, denn sonst verliert das Gocycle gerade die Leichtigkeit, die es so besonders macht. Zudem muss man auf das maximale Transportgewicht von 100 kg achten. Richtig schwere Fahrer stoßen da schnell an Grenzen.

Wir fahren eine Strecke von 2,3 Kilometern zum Bahnhof. Unsere Aktentasche haben wir in einem Rucksack untergebracht. Das Gocycle fährt sich unspektakulär und wäre da nicht der rote Knopf, würde man gar nicht bemerken, dass es sich hier um ein motorisiertes Gefährt handelt.

Die 25 mm Federung am Heck ist zwar angenehm, gleicht aber gerade mal das typisch „rubbelige“ Fahrverhalten von kleinen 20 Zoll Reifen aus.

Für ein Elektrofahrrad, welches aufgrund seiner Zerlegbarkeit eigentlich in die Klasse der Falträder gehört, fühlt es sich aber insgesamt erstaunlich gut nach normalem Fahrrad an.

Im Zug

Wir steigen mit dem Gocycle ins Zugabteil ein und ernten erst mal neugierige und vereinzelt auch neidische Blicke. Aufgrund seiner kompakten Abmessungen ist das stylishe Rad deutlich angenehmer zu händeln als ein Fahrrad normaler Größe.

Beim Ein- und Aussteigen macht sich auch das geringe Gewicht bemerkbar. Das Gocycle schiebt sich dank der mageren 16,2 Kg nur unwesentlich schwerer als ein normales Fahrrad.

Alles läuft erfreulich einfach. Raus aus der Bahn und losfahren. Alles ohne Nachzudenken. Das Gocycle erweist sich als perfekter Begleiter auf der Fahrt von und zur Arbeit.

Das müsste sich doch noch steigern lassen? Und richtig. Auf Reisen punktet das Gocycle noch stärker als im alltäglichen Berufsverkehr.

Auf Reisen

Wir wollen zu einem Termin und nutzen diesen für einen kleinen Reisetest mit dem Gocycle. Vor uns liegt eine 1,5-stündige Zugfahrt inklusive einmal Umsteigen.

Jetzt spielt das Gocycle seine wahre Stärke aus. Innerhalb von fünf Minuten ist es komplett zerlegt und im stylishen Rollkoffer verstaut. Mit etwas Übung geht das sicherlich noch schneller.

Das Behältnis ist ein Hardcase und hat die Maße 72 cm x 58 cm x 28 cm. Es lässt sich wie jedes andere Gepäckstück mit sich führen. Außerdem spart man sich auf diese Weise die extra Fahrkarte für die Fahrradmitnahme.

Das zerlegen lohnt sich allerdings nur, wenn eine etwas weitere Strecke zurückgelegt werden muss. Für ein paar Stationen mit 10 Minuten Fahrzeit macht das zerlegen wenig Sinn. Da stellt man es besser wie oben beschrieben ins Fahrrad-Abteil und löst eine Fahrkarte, wenn man zu den Zeiten unterwegs ist, in denen die Fahrradmitnahme kostenpflichtig ist.

Die Fahrt inklusive Umsteigen gestaltet sich mit dem Rollkoffer sehr angenehm. Es vermittelt ein Gefühl der Sicherheit, dass man das Rad ständig im Blick hat. Gerade bei teurem Equipment schleicht sich immer ein ungutes Gefühl ein, wenn sich das Rad in einem anderen Abteil befindet, als man selbst.

Woran man sich aufgrund des Designs allerdings gewöhnen muss, sind neugierige Fragen. Aber das ist ok. So knüpft man schnell Kontakte und hat mit Sicherheit eine kurzweilige Fahrt.

Am Zielort angekommen, bauen wir das Gocycle auf und verstauen den Koffer in einem Schließfach für 4,- Euro. Das Geld ist gut angelegt, denn wir sparen uns dank dem Rad ja die Kosten für ein Taxi.

Dank Smartphone mit integriertem Navi finden wir zielsicher zu unserer Adresse und kommen entspannt an.

Die Rückfahrt gestaltet sich genauso unkompliziert. Mittels Navi zum Bahnhof, Koffer aus dem Schließfach holen, Gocycle zerlegen und einpacken.

Natürlich ist der Transport in zerlegtem Zustand nicht zwingend notwendig. Man kann das Rad auch genausogut am Stück mitnehmen aber wir wollten einfach das Handling mit dem Koffer ausprobieren.

Im Video sieht man sehr schön, wie das Zerlegen funktioniert. Wobei es komplizierter aussieht, als es in Wirklichkeit ist.

(Video ist ohne Ton)

Gocycle Design

Man weiß gar nicht so recht, wo man bei diesem Bike beginnen soll. Es ist wunderschön und funktionell zugleich.

Das Gocycle ist ein Meisterwerk. Entworfen von Richard Thorpe, der dem McLaren Rennstall entstammt, hat es unzählige Preise und Awards gewonnen, unter anderem 2009 den Euro Bike Gold Award.

Alles am Gocycle wurde speziell für dieses Konzept entwickelt. Es handelt sich nicht um eine Zusammenstellung verschiedener Bike Komponenten, sondern um ein Konzept, bei dem von Grund auf alle Bauteile – vom Magnesium Spritzguss Rahmen bis zu den Pitstop Rädern, welche sich mit nur einem Handgriff wechseln lassen – aufeinander abgestimmt sind.

Darüber hinaus lässt sich das Gocycle mit wenigen Handgriffen sowohl für kleine als auch „lange“ Fahrer einstellen.

Wer will, kann aus dem zahlreichen Zubehör aus den Vollen schöpfen. Von der Notebooktasche über den bereits erwähnten Rollkoffer bis hin zu Schutzblechen und Winterreifen wurde an alles gedacht.

Ansprechverhalten des Tretsensors

Wie schnell spricht der Sensor auf die Tretbelastung an und wie lange dauert es, bis der Motor den Befehl umsetzt? Gerade im hektischen „stop and go“ der Stadt will man nicht erst lange warten, bis der Motor unterstützt.

Hier kann das Gocycle nicht wirklich punkten. Es dauert ein bis zwei Sekunden, bis sich das bekannte Surren des Elektromotors meldet.

Der Motor zieht dann allerdings kräftig und gleichmäßig an, was recht beeindruckend ist.

Über Land

Das Gocycle ist ein urbanes Konzept und daher nicht für Touren geeignet. Als „Quasi-Faltrad“ ist die Geometrie auch nicht für lange Strecken ausgelegt.

Zwar fährt sich das Gocycle erstaunlich ruhig und angenehm aber auf längeren Touren wären der schmale Lenker und die kleinen Räder eine Qual.

Das Gocycle ist für die Stadt konzipiert und da gehört es auch hin.

Am Berg

Mit Berg ist hier ein Anstieg in der Stadt gemeint und da zeigt sich das Gocycle durchaus bissig. Ist der Motor erst mal zugeschaltet, treibt er mit erstaunlicher Kraft an.

Hier kommt dem Gocycle sein enorm geringes Gewicht zu Gute. Denn das Rad fährt sich schon ohne Motorunterstützung unglaublich leicht. Kommen dann noch die 250 Watt Unterstützung hinzu, fliegt das Gocycle geradezu.

Der Motor und Akku

Angetrieben wird das Goycycle von einem 250 Watt Vorderrad Motor. Dieser wird gespeist von einem 19,2V NiMH Akku.

Man hat hier bewusst auf einen Lithium Ionen Akku verzichtet, da das Gocycle auch dazu gedacht ist, es auf Flügen mitzunehmen, wo Lithium Ionen Akkus derzeit ein Problem darstellen.

Reichweite

Es ist immer müßig, über mögliche Reichweiten zu berichten, da diese einfach zu stark von externen Faktoren wie Steigungen, Fahrergewicht oder Antriebs-Modus abhängig sind.

Der Vollständigkeit halber sei hier aber noch die Reichweite des Herstellers genannt, die dieser mit 15 bis 30 Kilometer angibt.

Testbericht Fazit und Preis

Das Gocycle ist ein gelungenes Konzept und macht einfach nur Spaß. Es verbindet gelungene Ästhetik mit Nutzen – wenn es den richtigen Besitzer findet.

Es ist ein Hingucker, der aber im Alltag mehr hält, als er verspricht. Wer das Gocycle auf kurzen Strecken über Land und als Pendler in der Stadt verwendet, wird einen perfekten Begleiter finden.

Allerdings nur dort. Wir möchten dies nochmals betonen, denn aufgrund des doch erstaunlich günstigen Preises könnte manch einer vielleicht auf die Idee kommen, es als vollwertiges Pedelec auch für Touren zu nutzen. Das kann es jedoch nicht leisten.

Es ist für die Stadt konzipiert und nur dort entfaltet es auch sein volles Potential. Für 1.629,- Euro ist es in diesem →Shop zu haben.

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