Fahrrad vom Discounter zum Pedelec umbauen?

Meist aufs Frühjahr hin bieten Discounter wie Aldi, Lidl oder Penny günstige Fahrräder um die 200 € an. Nimmt man solch ein Rad als Umbau Grundlage, käme man auf einen Pedelec Preis von unter 1000 €. Ein absolutes Schnäppchen. Aber lohnt sich ein Umbau auch?

Die Frage tauchte in Zusammenhang mit dem aktuellen Angebot von Penny auf. Der Discounter bietet ab Donnerstag Damen-und Herren Trekking Räder für 199 € an.

Die Ausstattung ist mit der üblichen 21-Gang Schaltung, sowie Felgenbremsen unspektakulär, was bei diesem Preis aber auch nicht anders zu erwarten ist.

Ansonsten gibt es aber nichts zu meckern. Der Rahmen wirkt solide, was mit einer zehnjährigen Garantie noch unterstrichen wird. Insofern wäre der Umbau zu einem Pedelec zumindest einen Gedanken wert. Werfen wir deshalb einmal einen genaueren Blick auf diese Möglichkeit.

Fahrräder vom Discounter haben einen schlechten Ruf

Billig-Fahrräder gelten als unzuverlässig, Reparatur anfällig und sollen nicht lange halten. Aber warum eigentlich? Natürlich werden die Räder oft billig in Fernost produziert. Dort lassen aber auch viele namhafte Hersteller ihre Komponenten produzieren. Zudem sind die Teile im Regelfall genormt, können also so gesehen nicht grundsätzlich Schrott sein.

Das stimmt zwar prinzipiell, es besteht jedoch schon ein Unterschied, ob beispielsweise ein Rahmen von einem hochqualifizierten Entwicklerteam mit klaren Vorgaben in Auftrag gegeben wird oder ob eine Firma in Eigenregie ein Rahmenmodell nach Gutdünken für den Massenmarkt herstellt.

Ob hier eine Qualitätskontrolle stattfindet, wie sie für namhafte Markenhersteller üblich ist, für die immerhin ihr guter Name auf dem Spiel steht, ist im Falle eines No Name Produktes für den Verbraucher nicht immer nachvollziehbar.

Auch bei den verwendeten Materialien und der Verarbeitung können teils drastische Qualitätsunterschiede auftreten. Insofern sollte man den Erwerb eines Billig-Fahrrades immer skeptisch betrachten.

Trotzdem müssen solche Räder nicht grundsätzlich schlecht sein. Wer wirklich nur kleinere Besorgungen erledigt und ab und zu kleinere Ausflüge damit unternimmt, kann auch an einem Rad für 200 € lange Freude haben.

Das Problem beim Pedelec Umbau

Kann man über den einen oder anderen Nachteil bei Billig-Fahrrädern noch hinwegsehen, ist das bei Pedelecs etwas kritischer zu sehen.

Bei einem Pedelec wirken aufgrund der Motorkraft ganz andere Kräfte. Alle Teile, vom Rahmen über die Bremsen bis hin zur Kette werden deutlich stärker beansprucht.

Das größte Problem sind die Bremsen

Mit dem Rahmen verhält es sich ganz einfach. Entweder er hält der Belastung stand oder eben nicht. Bei den Bremsen sieht das etwas anders aus.

Fahrräder vom Discounter sind in aller Regel mit Felgenbremsen ausgestattet. Was auch nachvollziehbar ist, denn Scheibenbremsen können im Einzelverkauf durchaus mehr kosten als in diesem Fall das ganze Fahrrad.

Für ein Pedelec sind Felgenbremsen aber definitiv nicht die erste Wahl. Nun könnte man auch darüber hinwegsehen und sich mit dem Gedanken trösten, dass man einfach zu einem späteren Zeitpunkt auf Scheibenbremsen umrüstet.

Das ist jedoch nicht so ohne weiteres möglich. Denn beim Motor eines Pedelec Nachrüstsatzes handelt es sich üblicherweise um einen Nabenmotor. Das bedeutet, er muss ins Laufrad eingespeicht werden.

Wollte man nun zu einem späteren Zeitpunkt auf Scheibenbremsen umrüsten, wird ein neues Laufrad fällig, wofür neben dem Erwerb selbst, auch die Kosten für das Einspeichen anfallen.

Belastungsprobe für Kettenblätter, Schaltung und Kette

Ein weiteres Problem sind die Billig-Komponenten, welche bei dem geringen Preis zwangsläufig verwendet werden müssen. Ein Umstand, der sich nicht sehr gut mit der Motorisierung eines Pedelecs verträgt.

Ohne dass man es bewusst bemerkt, treiben das Pedelec zusätzliche 250 Watt an. Zusammen mit der eigenen Tret-Leistung bewegt man sich hier dauerhaft in Bereichen, in denen sonst nur Spitzensportler unterwegs sind. Dementsprechend werden Schaltung, Kettenblätter und vor allem die Kette selbst in Mitleidenschaft gezogen.

Das hier Billig-Komponenten früher oder später in die Knie gehen müssen, dürfte klar sein. Wer also den Umbau trotzdem wagt, muss damit rechnen, dass die anfängliche Ersparnis nach und nach durch das nachkaufen benötigter Ersatzteile aufgefressen wird.

Fazit – Pedelec Umbau nur unter Vorbehalt

Man kann mit einem solchen Umbau durchaus Glück haben. Wer sein Rad regelmäßig wartet, immer sauber schaltet und gegen die eine oder andere Bastelei nichts einzuwenden hat, für den wäre ein Fahrrad vom Discounter zumindest eine Option.

Prinzipiell ist aber eher davon abzuraten. Auch im Hinblick auf die Sicherheit (Bremsen). Die bessere Alternative wäre hier sicherlich die hier vorgestellte.

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2 Kommentare zu Fahrrad vom Discounter zum Pedelec umbauen?

  1. Bei einem Nabenmotor, der bei Nachrüstung in aller Regel Verwendung findet, besteht motorseitig keinerlei Belastung auf die Kette und Zahnräder.
    Auch die Bremsen werden nur minimal mehr belastet, nämlich durch die zusätzlich abzubremsende Masse von Motor und Akkus. Ansonsten ist es der Bremse gleich ob ich 25 km/h , wie vom Gesetzgeber erlaubt, mit Muskel- oder Motorkraft erreicht habe.

  2. Ja und nein. Isoliert und rein aus technischer Sicht betrachtet stimmt die Aussage selbstverständlich. Sieht man aber die Alltagsnutzung in ihrer Gesamtheit, zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab.

    Wie schon geschrieben, wird dem Rad aufgrund der Motorisierung einiges mehr an Belastung zugemutet als das ohne Motor der Fall wäre. Welcher Freizeitradler bewegt sein Rad schon dauerhaft und aus dem Stand heraus mit 300 Watt Leistung? Wohl kaum einer. Mit einem Elektrofahrrad schafft man das aber schon mit nur 50 Watt, die man selbst erbringen muss!

    Elektrofahrräder werden nachweislich mit höheren Geschwindigkeiten gefahren und somit werden auch die Komponenten stärker belastet. Dafür sind Billig Komponenten aber definitiv nicht gemacht.

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