Archiv für die Kategorie „auf Tour mit dem Elektrobike“

Mit dem Elektrobike in Engadin St. Moritz

Neues Angebot für Elektro-Biker, das uns aus der Seele spricht. Die Tourimus Region Engadin St. Moritz hat das Elektro Bike entdeckt.

Wie unsere aufmerksamen Leser ja wissen, erleben Elektrobikes einen Boom: 2010 war bereits jedes neunte Fahrrad ein Elektro Bike. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Alpenregionen auf die Nachfrage reagieren.

Besonders die sportlichen Modelle wie das KTM eRace oder das Haibike Xduro eignen sich bestens für eine Tour in alpiner Umgebung. Engadin St. Moritz bietet deshalb diesen Sommer erstmals ein Angebot speziell für E-Biker an.

Geboten werden anspruchsvolle Bergtouren oder gemütliche Routen entlang der Seenplatte. Engadin St. Moritz bietet dabei fast grenzenloses Mountainbikevergnügen.

Die Region Engadin St. Moritz bietet vielfältige Sport- und Freizeitaktivitäten, Spezialitäten aus der heimischen Küche, ein wertvolles Kulturangebot und zahlreiche Veranstaltungen.

Ihre Anziehungskraft hat die Region einerseits St. Moritz, der schillerndsten Alpin-Destination der Welt und andererseits dem Engadin, dem inspirierenden Hochtal der Alpen zu verdanken.

Massgeschneidertes Angebot

Erstmals profitieren Elektro Bike Fans diesen Sommer von einem speziellen Angebot. Es beinhaltet eine Unterkunft im Hotel, die E-Bike- und Helm-Miete, Personen und Biketransport mit den Bergbahnen.

Dazu gibt es einen abschliessbaren Einstellraum für‘s Bike, sowie weitere Vergünstigungen. Bei Ankunft der Gäste werden die Elektrobikes zum Beispiel direkt ins Hotel geliefert.

Zwei Nächte in einem Dreisternhotel (Doppelzimmer) inklusive Sportlerfrühstück sind ab 250 Franken pro Person zu haben. Ein ähnliches Angebot gibt es auch für Mountainbiker.

Nähere Informationen erhalten Sie auf der Website.

Wir wünschen viel Spaß auf Tour.

Bildquelle: swiss-image.ch/Biketec AG

Mit dem Pedelec auf dem Jakobsweg (4) – Spirituelle Erfahrungen

Mit diesem vierten Teil endet der Reisebericht “mit dem Pedelec auf dem Jakobsweg”. Wir hatten viel Freude beim Lesen und hoffen, Ihnen ging es genauso.

Da das Beste immer zum Schluss kommt, haben wir es auch hier so gehalten, so dass der wohl wichtigste Part des Jakobsweges – die spirituellen Erfahrungen – den Abschluss bilden. Denn schließlich ist genau das der Zweck einer solchen Reise.

Alle Teile des Reiseberichts finden Sie wie üblich hier.

Spirituelle Erfahrungen auf dem Jakobsweg

Die spirituellen Erfahrungen auf dem „camino“ sind eindrücklich.

Die wichtigste Erfahrung war für mich, dass es immer wieder unverhofft eine Problemlösung gibt.

Jedes Mal, wenn ich das Gefühl hatte, Paul, jetzt bist du am Ende oder in der Prärie verloren, dann ging wieder ein Türchen auf. Ein gelber Pfeil auf der Strassengabelung, oder eine Jakobsmuschel auf einem Stein mitten im Niemandsland, welche mir den Weg wies.

Oder ein Mensch auf der Strasse, welcher wusste, wo es im Pueblo noch ein Zimmer oder einen Laden gibt. Ein Brunnen mit kühlem Wasser an der Straße, genau dann, wenn man das Gefühl hat, verdursten zu müssen.

Eine Bäuerin, welche in der Sierra anhält und mich im Van mitnimmt, weil ich eine Panne aber kein Flickmaterial mehr hatte und weit und breit kein Haus zu sehen war.

Ganz toll war ein uraltes Fraueli, welche hörte, dass ein junger Spanier mich zum 20 Kilometer entfernten Velomechaniker weiterschicken wollte. Sie intervenierte. „No, no Senor, el mecanico es in este calle, cien metros de aqui“ So war es!

Ich habe auch die Anwesenheit von Kleinlebewesen als schützenswerten Teil der Schöpfung wahrgenommen. Ich habe bewusst geschaut, dass ich keine Raupen, Käfer, Schnecken etc. überfahren habe.

Ich hatte das Gefühl, dass mich auch Vögel freudig begleiten und für mich singen. Der Gesang der Vögel in der freien Natur war wunderschön. Aber auch viele schöne Schmetterlinge haben min Auge erfreut.

Der überwältigende Duft von Millionen von Blumen entlang der Straßen, die fast endlosen gelben Getreidefelder mit irrsinnig schönen purpurroten Mohnfeldern.

Die endlosen Weiten. Wuchtige, farbige Felsen entlang dem Lot und im Massiv Central. Grüne Hochebenen mit riesigen Viehherden. Regenschauer, Nebel, stahlblauer Himmel, brennende Sonne, weite Horizonte – herrlich!

Ich habe dutzende von Kapellen, Kirchen und Kathedralen besucht und war immer wieder von der Architektur, dem handwerklichen Können und der Leistung der damaligen Bauleute, Handwerker und Künstler begeistert.

Die Stille und die Ausstrahlung der Gotteshäuser als Orte der Kraft konnte auch ich als Nicht-Katholik positiv verspüren.

Der Jakobsweg war für mich vor allem in Frankreich und Spanien in jeder Beziehung unbeschreiblich eindrücklich. Der Weg ist super gut beschildert, organisiert und respektiert.

Kein Pilger muss Bedenken haben, dass er abends nicht unterkommt, Hunger oder Durst erleiden muss. Es gibt keinen Pilger, welcher keinen Platz in einem Refugio findet und das auch, wenn das pueblo noch so klein ist. Ausnahmen sind Pilger die campieren und bewusst draussen schlafen wollen.

Die abendliche Verpflegung war wie der Appetit – sehr gut. Meistens habe ich tagsüber viel Fruchtsaft getrunken und nur einige Getreide- oder Müesli-Riegel gegessen. Warmes Essen gab es nur abends meist erst ab acht Uhr. Ich habe sehr oft das „menu del peregrino“ gegessen. Dieses war reichhaltig, gut gekocht und eine ganze Flasche Hauswein war meistens im Preis von ca. 10-12 Euro inbegriffen.

Auch die Gesellschaft am Pilgertisch mit sehr angenehmen Menschen aus bis zu 12 Ländern der Welt war bereichernd und interessant. Die Betreiber von Herbergen, Hotels und Pensionen am Jakobsweg waren durchwegs sehr nette, hilfsbereite und sehr oft selbstlose Leute.

Einzig am Jakobsweg in der Schweiz hapert es bedenklich: am schlechtesten beschildert, die schlechtesten und viel zu teuren Zimmer waren in Genf und Rapperswil CHF 145.00 und 135.00 / E.Z.

Und noch was: Es gibt auf dem ganzen Pilgerweg keine, wirklich keine schlechte Matratzen! Man ist jeweils nach täglich 7-10 h. Radreise derart todmüde von allen Eindrücken, dass man wohl auch auf einem Laubsack herrlich schlafen würde.

Meine Empfehlung an Jakobspilger-Aspiranten

Menschen, welche gut zu Fuss sind und ca. 30-40 Kilometer täglich gehen können, erleben noch mehr als der Radpilger. Mit dem Fahrrad und Gepäck kann man nicht alle Originalrouten, welche seit Jahrhunderten zu Fuss begangen wurden, fahren. Außer man nimmt in Kauf, das Rad mühsam zu schieben.

Zu Fuß sieht man noch mehr kleine Weiler, man nimmt die Natur noch bewusster auf, ist öfter abseits der Nationalstrassen. (Allerdings führen große Strecken der Pilgerwege in Spanien trostlos den Nationalstrassen entlang, weshalb viele Pilger ab Pamplona auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen)

An steilen Pässen ist der Fußpilger fast so schnell wie der Radpilger, weil der Fußpilger Abkürzungen geht und der Radpilger auf unter 10 km/h Geschwindigkeit fällt.

Der Radpilger macht täglich etwa zwei Tagesetappen eines Fußpilgers. Dass es nicht mehr ist hat auch damit zu tun, dass die Aufenthaltsdauer bei den Sehenswürdigkeiten zu Fuß oder per Rad in etwa gleich ist: 2-4 h/Tag.

Nur auf den Nationalstrassen Kilometer zu bolzen hat nix mit einer Pilgerreise zu tun. Man verpasst viele Sehenswürdigkeiten. Ich habe an keinem einzigen Tag gesagt: “heute muss ich bis x fahren” und habe auch nie gefahrene Kilometer notiert.

Ich bin in der Frühe losgefahren, habe alles Schöne in Ruhe angeschaut, mal einen Schwatz mit Einheimischen gehalten, eingekauft und täglich ab etwa 16.00 Uhr eine Unterkunft in einer Privatpension oder einem Hotel angesteuert.

Billige Massenunterkünfte überließ ich den Jungen – ist nicht mehr mein Ding. Ungestörter Schlaf ist mir wichtig.

Mein tägliches abendliches Ritual war: Pedelec sicher parken (oft auch im Zimmer), Packtaschen hochtragen, duschen, frisch anziehen, Tageswäsche waschen und aufhängen. Natel (schweizerisch für Mobiltelefon), Fotoapparat und Akku laden.

Dann Karte studieren und die schönste, fahrbare morgige Tagesroute detailliert herausschreiben und mit Einheimischen besprechen. Städtchen erkunden, Apéro in einer Bar und das Abendessen meistens erst ab 20.00 h.

Angenehmer Nebeneffekt des täglichen radelns: Ich habe 10 Kilos abgenommen und hatte eine so gute Verdauung, wie seit Jahren nicht mehr.

Ich habe einige fitte Senioren kennengelernt, welche schon mehrmals die gleichen oder verschiedene Jakobswege gegangen oder gefahren sind. So auch John, der 72-jährige irische Mathematikprofessor aus Dublin welcher „by bike to Dover and than by ferry to France“ pilgerte.

John schwörte stolz auf seinen britischen Drahtesel mit gemufftem Reynolds Stahlrahmen, Rennlenker, Unterrohr-Schalthebel, 26“ Räder mit Spezialverspeichung und speziell abgestuftem Schaltwerk.

Abends kam er meistens zwei Stunden nach mir an, weil er morgens noch am Frühstück saß, während ich schon radelte. „John, how was it“? „Paul, it was magnificient, let’s have a beer and talk about“.

Auch das sportliche belgische Rentnerpaar mit Campingausrüstung auf dem Koga-Miyata Tandem beeindruckte mich.

Als mein Tacho 2.200 Kilometer anzeigte, hatten beide schon 4.500 km. hinter sich und haben im Gegensatz zu mir fast auschließlich im mitgeschlepptem Zelt geschlafen! Das soll mal ein Junger in einer solchen Regenperiode nachmachen!

Das pilgern auf den Jakobswegen macht süchtig, nicht nur John – „buen camino“!!

 

Mit dem Pedelec auf dem Jakobsweg (3) – Risiken, Sicherheit und Heimreise

Bevor es im nächsten Teil um die spirituellen Erfahrungen geht, werden in diesem Teil des Reiseberichts die Themen Risiken und Sicherheit besprochen. Eine Übersicht aller bisher veröffentlichten Artikel finden Sie hier.

Risiken

Als Alleinreisender war ich mir bewusst, dass ich eben auch bei Krankheit, Unfällen, Pannen und Diebstählen auf mich alleine gestellt bin. Dementsprechend konzentriert und vorsichtig habe ich mich auch verhalten.

Krankheitsrisiko

Ich bin wohl drei von fünf Wochen im Regen gefahren, bemerkte jedoch nie nur das geringste Unwohlsein. Im Gegenteil, mit dem radeln wurde ich von Tag zu Tag fitter.

Sicherheit

Radpilger werden ganz unterschiedlich wahrgenommen und berücksichtigt. In Genf ist man als Radfahrer ein Dreck wert. Dasselbe gilt teilweise auch auf den Nationalstraßen in Frankreich und Spanien.

Die Fünf- und Sechsachser brausen gefährlich nahe an einem vorbei. In Spanien stellen vor allem die rasenden ALSA Linienbusse eine grosse Gefahr für Radfahrer dar. Bei ALSA zählt nur der Bleifuss über hunderte von Kilometern.

In Spanien führt der „camino frances“ ab Pamplona zum grossen Teil über Nationalstrassen. Diese sind vorbildlich mit grossen blauen Tafeln als „Camino Santiago“ und mit Hinweis auf gegenseitige Rücksichtsnahme und Abstandhaltung beschildert.

Viele Automobilisten motivieren Pilger mit einem herzlichen Zuruf: „buen camino“. Generell gilt: Selber aufpassen und keine Risiken eingehen!

Pannen

Sowohl in Frankreich, wie auch in Spanien sind Radsportgeschäfte und Velomechaniker sehr dünn gesät.

Manchmal fuhr ich über Tage, ohne ein Geschäft zu sichten. Man tut also gut daran, mit einem gut ausgerüsteten und gewarteten Rad zu reisen und reichlich Pannenersatz mitzuführen.

Diebstähle

Es ist kaum zu glauben: auf dem Jakobsweg habe ich über 2650 Kilometer fünf Wochen lang mein Fahrrad wohl weit über 200 Male abgeschlossen, mit Packtaschen abgestellt und es wurde mir nichts gestohlen. Auf der Rückreise dann der Schock.

Rückreise: Gepäckklau und miserable ALSA Busgesellschaft

Im ALSA Nachtbus von A Coruna nach San Sebastian wurden mir 3 Packtaschen aus dem Frachtabteil gestohlen. Noch schlimmer aber war das miserable, entwürdigende Verhalten des ALSA Chauffeurs, sowie der ALSA Büros in San Sebastian und Madrid.

Der ALSA Chauffeur sagte stinkfrech: „fehlendes Gepäck ist nicht mein Problem, suche selber, aber hopp hopp“! Ich kroch in den Frachtraum und schon verschloss er die Klappen des Frachtraumes. Ich schrie Zetermordio, er öffnete eine Klappe und schrie „raus mit Dir, ich muss weiter“!

So stand ich dann wie ein Idiot mit Velo, ohne Gepäck am Strassenrand und zerbrach mir den Kopf, wie ich wohl nach Hause komme, da in San Sebastian soeben auch ein Streik ausgerufen wurde.

Im ALSA Büro sagte man mir, dass hier nur Fahrkarten verkauft werden. Wegen allem anderen solle ich selber schauen. Vom Kundendienstbüro in Madrid erfolgte erwartungsgemäß keine Reaktion.

Ein freundicher Offizier auf dem Bahnhofpolizeiposten in San Sebastian nahm meine Diebstahlklage in Spanisch auf, erstellte ein Protokoll, liess mich aber wissen, dass erfahrungsgemäß das Diebesgut verschwunden bleibe.

Es wurde mir später zum Glück alles von der Mobiliar Hausratversicherung ersetzt.

Heimreise

Da mir allerhand fehlte, blieb mir nichts anderes übrig, als den Badeurlaub in Biarritz zu vergessen und definitiv nach Hause zu reisen.

Ich nahm den Zug nach Hendaye und blieb eine Nacht im Hotel am Meer. Abends nahm ich den Nachtzug mit Schlaf- und Veloabteil nach Paris. Von dort nahm ich den TGV wiederum mit Veloabteil nach Genf, inklusive Stromausfall in Bonneville.

Also mit Regionalzügen nach Annemasse, eine ungeplante Velofahrt in Genf zum Hauptbahnhof und dann im SBB Schnellzug mit Veloabteil bis St.Gallen.

Es ist dringend darauf hinzuweisen, dass nur für Fahrradtransport bestimmte öffentliche Verkehrsmittel Passagiere mit Fahrrädern mitnehmen und das auch nur mit Vorbuchung und Bezahlung.

Weitere Reisepläne

Das Radpilgern auf den Jakobswegen hat mich – trotz technischen Problemen und Diebstahl – fasziniert. Es war meine bisher schönste und längste Radreise.

Ich plane bereits schon meine nächste Reise für Frühjahr 2011 auf anderen Routen. Einerseits wäre es schön, grössere Etappen mit einem schnellen Rad, ohne Gepäck, mit Gepäcktransportdienst zu fahren.

Anderseits habe ich die völlige Freiheit, jeden Tag ohne andere Meinungen und Kompromisse zu fahren, sehr genossen.

Sollte ich wiederum mit Fahrrad und Gepäck verreisen, so werde ich die Zuladung allerdings massiv abspecken.

Wenn die Fußpilger mit einem Gepäckgewicht von 10% vom Körpergewicht auskommen, dann müsste ich als Radpilger (ohne Motor) ebenfalls mit einem Gepäckgewicht von 10% vom Körper- und Fahrradgewicht auskommen, d.h. etwa 10-12 kg (ohne Schlafsack und Campingmaterial).

Mit dem Pedelec auf dem Jakobsweg (2) – Erfahrungen mit dem KTM Pedelec

Neben der spirituellen Erfahrung bringt ein Pedelec natürlich auch die technische Seite mit sich. Wie hat sich das KTM Pedelec auf dem Jakobsweg gemacht? Wo lief alles reibungslos und womit gab es Probleme?

Alle weiteren bisher erschienenen Teile des Reiseberichts finden Sie wie üblich hier.

Erfahrungen mit dem neuen KTM e-race Pedelec:

Positive Erfahrungen:

Absolut hervorragend ist das BionX Antriebssystem und hat mit einer winzigen Ausnahme haargenau das gemacht, was ich haben wollte.

In Frankreich geht es über hunderte von Kilometern wie über ein riesiges Waschbrett. das bedeutet einständiges rauf und runter, fast nie ebenerdig. Man ist konstant am hoch- und runterschalten.

Als sportlicher Radfahrer habe ich ausschließlich nur aufwärts meistens die Unterstützungsstufen 1 und 2 in Anspruch genommen.

Abwärts habe ich die Motorbremse je nach Gefälle auf Stufe 2-4 gestellt und je nach Geschwindigkeit mitgetreten. Auf diese Art konnte ich den Ladezustand des Akkus fast konstant halten, bin beim mittreten immer schön warm geblieben und musste praktisch nie die Handbremsen betätigen.

Somit konnte ich downhill die Energie produzieren, welche ich für meinen „Packesel“ als Unterstützung uphill benötigte. Meist kam ich nach ca. 5-6 h. reiner Fahrzeit mit 80-120 Kilometer Tagsleistung mit einer Batterie-Restladung von über 50% in’s Hotel.

Angenehmer Nebeneffekt: die Scheibenbremsen werden kaum gebraucht, da auch bei Betätigung der Handbremsen zuerst die Motorbremse wirkungsvoll einsetzt.

Es ist ein herrliches Gefühl, bergab zu fahren, ohne bremsen zu müssen. Man muss jedoch die Topografie etwas beachten.

Einmal fuhr ich eine unendlich lange Strecke mit der Motorbremse abwärts, der Akku wurde über 100% geladen. In solchen Fällen setzt die Motorbremse logischerweise aus und die Scheibenbremsen kommen zwangsweise zum Zuge.

Bei gutem Studium der Topografie hätte ich aufwärts mehr Schub geben, mich entlasten und mehr Batterieladung verbrauchen können.

Die genannte winzige Ausnahme:

Wenn man am O’Breiro Pass den 43 kg. Packesel einen Bachbett-Weg über zentnerschwere Steine hochschieben, respektive heben muss, der Akku-Ladezustand 60% beträgt, aber keine Schiebehilfe vorhanden ist, dann kommt selbst ein friedlicher Pilger in’s fluchen.

KTM/BionX: unbedingt Schiebehilfe nachrüsten!!!!

Erkenntnis:

Die Bion-X Rekuperation ist extrem effizient. Richtigerweise müsste jedes Strassenfahrzeug mit einer Bremsenergie Rückgewinnung ausgerüstet sein!!

KTM Pedelec -Stabilität:

Der KTM Alurahmen ist o.k. Keinerlei Schwächen erkannt, selbst bei massivster Zuladung.

Ich hatte keinen Speichenbruch, obschon ich auch miserable Holperwege fuhr.

Der Tubus Gepäckträger war superstabil, kein wanken, absolut perfekt.

Der Lowrider wurde schon vor der Reise an der Federgabel mit einer Eigenkonstruktion und stabileren Schellen versehen, was auch gut war, denn bei über drei Kilogramm Gewicht pro Fronttasche verlangt das Lenken volle Konzentration.

Komfort:

Der schmale KTM Originalsattel war für mich auf Anhieb perfekt. Keinerlei Sitzbeschwerden und kein Gramm Salbe verschmiert.

Das tiefe Oberrohr erleichtert das abstehen und das sichere Gleichgewicht halten bei Stopps.

Die Federgabel wurde zu 95% blockiert gefahren, war somit für mich eigentlich überflüssig.

Die Reifen wurden auf 4.0 bar gepumpt. So wurde der Rollwiderstand reduziert und das Gewicht stellte kein Problem dar. Wenn es dadurch aber stärker rumpelte, wurde ich allerdings nervös (Plattfuss?).

Negative Erfahrungen:

Bereifung & Schlauchmaterial:

Die Bereifung mit dem Schwalbe Racing Ralph war für meinen Zweck und meine Gewichte nicht tauglich. Ich hatte von Anfang an täglich Druckverluste, zudem hinten zwei mal und vorne vier mal einen Platten.

Ich nehme dies auf mich, da ich die zu dünne Originalbereifung ohne Pannenschutz schon beim Kauf erkannte, aber nicht auf eine Umbereifung zum Beispiel auf Schwalbe Marathon Plus insistierte.

Hinten ist nach einem Schlauchwechsel der Radeinbau nicht einfach – es gibt einen Moment, wo man gleichzeitig 6 Hände haben sollte: Fahrrad anheben – Rad mit Kette einfädeln – Kabel zu Motor verletzungsfrei durch Öse einfädeln.

Aber Pilger helfen einander – so erging es Gott sei Dank auch mir, mitten in den Pampas draussen.

Schlauchmaterial:

Leider musste ich die Feststellung machen, dass es sehr schwierig ist, pannensicheres Reifen- und Schlauchmaterial zu erhalten. Die Pneus wurden die letzten Jahre nicht nur viel leichter, sondern neben den Stollen auch hauchdünn.

Auch Reifen mit Kevlar Durchstichschutz sind unterwegs kaum noch erhältlich. Von sechs Platten war nur einer mit einem eindeutigen Einstich von einem Keramiksplitter erkennbar.

Fünf Schläuche waren oder wurden am Ventil undicht. Neues Schlauchmaterial verlor einfach kontinuierlich Luft ohne jeglichen Einstich.

Ich wünschte mir die Zeit zurück, wo Schläuche von guter Qualität erhältlich waren, welche zwar das Doppelte kosteten, dafür die Lebensdauer aber locker das Zehnfache war!

Viel zuspät erkannte ich, dass die Ventilbohrung in der Felge einen messerscharfen Brauen aufwies und mir laufend die Ventilschläuche killte. Pfusch bei der Montage seitens KTM!

Auch mein spanischer Radpilger-Kollege hatte in Finisterre das gleiche, ärgerliche Problem: neuen Schlauch eingebaut mit umgehendem Luftverlust.

Am Hinterrad wurde von Marc Maya in Saint Jean Pied de Port ein Kenda Reifen, ein Continental Schlauch und ein Kunststoff-Schlauchschutzband zwischen Reifeninnenfläche und Schlauch montiert. Diese Kombination hielt Durchstiche ab und lief erstaunlicherweise rund.

Nach Sahagun hatte ich Glück im Unglück. Der 2. Plattfuß vorne, direkt neben einer Tankstelle mit Druckluft, letzten Schlauch montiert. Wo bekomme ich jetzt einen Schlauchersatz?

Der Tankwart sagt: ca. 35 Kilometer weiterfahren! Ein herrliches Gefühl, ohne Reserveschlauch und in glühender Hitze durch die spanische Sierra zu fahren.

Den Blick dabei ständig auf die Strasse gerichtet, um Scherben rechtzeitig zu erkennen. Das Ganze mit dem Wissen, dass bei Plattfuß das Rad auf den lumpigen Pneus nicht geschoben werden kann.

Den Velomechaniker fragte ich nach unplattbaren Pneus oder der pannensichersten Bereifung. Er bot mir an, was er gerade hatte.

Einen Michelin Reifen, einen durchstichgeschützten Schlauch und mein vorhandenes Kunststoff-Schlauchschutzband einzubauen – das halte garantiert bis Santiago de Compostela, beschwor er mich.

Also wurde der neue Reifen montiert und den 70%-igen Racing Ralph schenkte ich ihm. Seine Kombination hielt dann auch tatsächlich ohne Panne, jedoch wiederum mit leichtem, aber kontinuierlichem Druckverlust.

Schaltwerk:

Wenn man seit 4 Jahrzehnten Renner mit präzisen Schaltwerken wie Campagnolo Record oder Shimano Ultegra fährt, dann ist das modifizierte XT-Schaltwerk auf dem KTM ein Graus.

Mich erstaunt, dass die Kette durchhielt, diese wurde dutzende Male beim schalten zwischen dem Kettenkranz und dem Ausfallende verwurstelt- meist im dümmsten Moment, wenn an der Steigung ein 5-Achser an mir vorbei donnerte.

So ein leerer Tritt in’s linke Clickpedal am Berg – das ist absolut lebensgefährlich! Heute weiss ich, dass der eiernde uralte 9-er SHIMANO Schraubkranz auf BionX ein generelles Problem darstellt, weil die Mitnehmer und die Abstandhalter ungenügend sind.

Das Schaltwerk liess ich übrigens mehrmals einstellen, leider ohne wirklichen Erfolg. Ob 44-er oder 48-er Kranz, das Schaltwerk blieb bis 3500 Kilometer unzuverlässig und war auch letztendlich der Grund für die verärgerte Rückgabe mit grossem Verlust. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Immerhin fuhr ich insgesammt ca. 3350 Kilometer bis zum „Rückbau“ auf den 44-er Kranz. Ursprünglich habe ich das KTM mit dem BionX Antrieb genau wegen dieser Flexibilität gewählt.

Ich wollte keine „7-Gang Altherrenschaltung“ und auch keine Hightech Rohloff Nabenschaltung, sondern ein sportliches, präzises Ketten Schaltwerk für Schnelligkeit, Leichtgängigkeit und Pannensicherheit haben.

Bremsanlage

Die hydraulischen Scheibenbremsen sind für das Gewicht eines normalen Mountainbikes und nicht für meinen Packesel ausgelegt. Da jedoch die Motorbremse unglaublich effizient ist, sind die Scheibenbremsen nebensächlich, solange die Motorbremse anspricht.

Auch Passabfahrten mit 125 kg Gewicht sind ein reines Vergnügen, ich hatte die Hände kaum jemals an den Bremshebeln.

Zentrierung Vorderrad:

Nach jedem Schlauchwechsel am Vorderrad hatte ich Mühe, das Rad so zu zentrieren, dass die Scheibenbremse nicht schleifte. Die übliche Zentrierarbeit Rad einsetzen, Bremse ziehen, zentrieren, Spannhebel anziehen funktionierte gar nicht und Mechanikerbesuche brachten auch nix.

Mein Händler informierte mich nach meiner Rückkehr, dass nach jedem Radausbau die Bremszange mit dem Inbusschlüssel gelockert, die Bremse gezogen und anschließend die Inbusschrauben wieder angezogen werden müssen! Nach einem Schubs dreht das Rad eine halbe Umdrehung und steht still!

Erkenntnis:

Bei der Bremsenwahl wollte ich die von mir gewünschten hydraulischen V-Brakes durchsetzen. Ich musste jedoch einsehen, dass die KTM Gabeln dafür nicht ausgerüstet sind.

Meine hydraulischen Scheibenbremsen waren echte Krüppel, sie haben über hunderte Kilometer geschliffen, ausserdem wurde das Hydrauliksystem an den Bremshebeln undicht. Mechanische V-Brakes sind wohl nicht so effizient, dafür aber viel problemloser.

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Die hier beschriebenen Probleme decken sich sehr gut mit den von uns festgestellten Schwächen des KTM eRace. Bei dem doch erstaunlich günstigen Preis des Pedelecs bleibt durch das Verbauen des hochwertigen BionX Motors wenig Raum für die restlichen Komponenten.

Mit dem Pedelec auf dem Jakobsweg (1) Ausgangslage, Pedelec Aufbau und Strecke

Dies ist der erste Teil des Reiseberichts von Paul Schneider, der 2010 den Jakobsweg mit dem Pedelec gefahren ist. Alle bisher erschienenen Teile finden Sie hier.

Senior geb. 1944 solo per Pedelec auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela

 

Reisebericht von Paul Schneider

 

Ausgangslage:

Ganz am Anfang stellte sich die Frage: zu Fuß oder per Fahrrad? Ich bin seit 45 Jahren begeisterter Rennradfahrer und die Frage war schnell geklärt. Zu Fuß, mit Rucksack habe ich ernsthafte Probleme mit den Hüft- und Kniegelenken, auf dem Fahrrad fühle ich mich dagegen pudelwohl.

Ich will alleine, mit vollem Gepäck und ohne begleitendes „careteam“ reisen und jeden Tag nach eigenem Wunsch einteilen. Meine Packliste umfasst 82 Winter- Sommer- und Regenartikel und diese wiegen 19,2 kg! Also geht das steil bergauf ohne Probleme fast nur mit Hilfe eines Pedelecs – aber welchem?

 

Überlegungen zur Evaluation des Pedelec

Front- Mittel- oder Hinterradnabenmotor?

Meine Entscheidung fiel auf das damals noch nicht lieferbare und deshalb leider auch nicht getestete KTM e-race mit BionX Antrieb im Hinterrad.

Welches waren meine Überlegungen?

  • Sportliches Mountainbike mit für mich geeigneter Geometrie und schrägem Oberrohr
  • Recuperierung der Bremsenergie durch Motorbremse zur Verlängerung der Reichweite
  • Sportliches LX Schaltwerk mit 3×9 Gängen, geeignet für Langstrecken und Bergeinsatz
  • Entlastung der Kette durch direkten Hilfsmotorantrieb auf das Hinterrad
  • 26“ Rad, kurze Speichen, deshalb stabiler als 28“, weniger Speichenbrüche zu erwarten
  • Bei Ausfall der Motorunterstützung muss das Pedelec fast wie ein beladenes Mountainbike zu fahren sein

Zusatzausrüstung:

Das KTM e-race wurde vom Rad-Fachgeschäft nach meinem Wunsch nachgerüstet:

  • Spezieller Brezel-Lenker für Sitzposition wie Rennrad und mehreren möglichen Griffpositionen
  • Schwarze Kunststoff Schutzbleche
  • Tubus Cargo Gepäckträger
  • Lowrider Frontradträger
  • 4 Stk. 20 Liter ORTLIEB Gepäcktaschen waterproof in weiss-schwarz mit Rollverschluss
  • Umbau auf XT Schaltwerk anstelle LX
  • 48-er statt 44-er Kranz vorne (war eher eine Fehlentscheidung meinerseits)
  • Batterielicht

Das Fahrradgewicht mit geladenen Packtaschen und Tagesrucksack beträgt ca. 43 kg!!

 

Mein Jakobsweg von Konstanz bis Santiago de Compostela vom 24.Mai bis 26. Juni 2010:

 

Der Jakobsweg führte mich von CH-9320 Arbon mit Jakobsweg-Start beim Münster in Konstanz (D) über folgende Tagesetappen:

in der Schweiz (mit 6 Stempeln):

Konstanz-Rapperswil-Küssnacht am Rigi-Spiez-Lausanne-Genève

„Le chemin Jacques“in Frankreich (avec 23 tampons):

Genève-Jenne-La Côte St.André-Montfaucon-Saugues-Nasbinals-Villecomptal-Cajarc-Lauzerte-Lectourne-Nogaro-Arthez de Bearn-Lourdes-Navarrenx-Saint Jean Pied de Port

„El camino Santiago“ in Spanien (con 27 tampones):

Arre-Los Arcos-Recedilla del Camino-Burgos-Boadilla del Camino-Leon-Mansilla de las Mulas-Astorga-Villafranca del Bierzo-Sarria-Villamayor Lavacolla-Santiago de Compostela-Finisterre (Cabo)

Hier gehts weiter mit dem zweiten Teil.

Mit dem Pedelec auf dem Jakobsweg

Eigentlich geht man ihn ja zu Fuß, den Jakobsweg.

Der Schweizer Paul Schneider ist ihn mit dem Pedelec gefahren und wurde neben der spirituellen Erfahrung auch mit den technischen und menschlichen Seiten einer solchen Reise konfrontiert.

Wobei letztere nicht in allen Fällen angenehm waren.

Der 1944 geborene Senior (seine eigenen Worte) fuhr 2010 mit dem Pedelec auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Durch einen Kommentar auf seinen Trip aufmerksam geworden, haben wir ihn kurzerhand angeschrieben und gefragt, ob er uns seinen Reisebericht zur Verfügung stellt.

Das hat er zum Glück getan und so startet am Montag eine kleine Artikelserie über den Jakobsweg mit dem Pedelec, die hoffentlich den einen oder anderen zur Nachahmung anregt.

Denn lohnenswert dürfte eine solche Reise in jedem Fall sein. Schon die Eindrücke und Erlebnisse, die sich einem Fuß-Pilger auf dem Jakobsweg präsentieren, sind so vielfältig, dass ein Bericht ihnen fast nicht gerecht werden kann.

Als Rad-Pilger mit dem Pedelec eröffnen sich darüber hinaus noch einmal zusätzliche Erfahrungen, die der Fuß-Pilger so nicht erlebt. Schließlich ist dank des Pedelecs eine Menge Technik im Einsatz, die auf der langen Strecke auch mitspielen muss.

Die Wahl des Pedelecs fiel auf ein KTM eRace. Angetrieben wird es von einem BionX Motor, der auch anstandslos seinen Dienst verrichtet hat. Probleme gab es viel mehr mit herkömmlichen Komponenten wie Reifen und Schaltung.

So war die Schaltgruppe der Belastung nicht gewachsen, obwohl schon im Vorfeld von der originalen LX auf eine höherwertige XT Gruppe aufgerüstet wurde. Aber auch die versagte regelmäßig ihren Dienst und trieb Schneider dank unzähliger Kettenklemmer in den Wahnsinn.

Nach über einem Monat Fahrzeit kam er um viele Erfahrungen reicher wieder zuhause an und plant schon die nächste Tour auf der iberischen Halbinsel. Dieses Mal allerdings unmotorisiert, um das sportliche Erfolgserlebnis noch zu steigern.

Uns hat der Reisebericht beim lesen sehr viel Freude bereitet und wir wünschen Ihnen ebenfalls viel Spaß dabei. Ab Montag finden Sie dann auf dieser Seite eine Übersicht aller veröffentlichten Teile.

Einfach raus… wen hat noch das Fernweh gepackt?

Wir wissen nicht wie es unseren Lesern geht aber der Februar neigt sich seinem Ende zu und zu langsam aber sicher packt uns das Fernweh.

Auch das Wetter, das uns trotz Winterzeit immer mal wieder sonnige Tage beschert, tut sein übriges dazu. Die typische Winter-Trägheit fällt langsam von einem ab und die Unternehmungslust regt sich. Diesen Beitrag weiterlesen »

Was Sie bei einer Elektro Bike Tour beachten sollten

Tagesausflüge sind eine prima Möglichkeit, um Ihr Elektro Bike zu genießen und richtig auszunutzen.

Ob alleine oder mit der Familie und Freunden – es gibt viele Quellen für Tourenvorschläge. Zeitschriften wie Mountain Bike oder Bike veröffentlichen gerade in den Ausgaben Anfang des Jahres, wenn es auf das Frühjahr zugeht, traumhafte Touren zum nachfahren.

Damit die Tour aber ein voller Erfolg wird, sind einige Dinge zu beachten. Touren mit dem Elektrofahrrad sind anders. Aufgrund des Motors lassen sich beispielsweise auch für ungeübte Fahrer weite Strecken zurück legen. Diesen Beitrag weiterlesen »